Im vergangenen Weihnachtsgeschäft verkaufte Amazon in den USA mehr E-Books als gedruckte Bücher. Befeuert wurde dieser Erfolg durch den rasanten Verkauf des Kindle und dem gleichzeitigen Angebot von bereits knapp 400.000 digitalen Büchern. Seit Anfang 2010 können nun auch deutschsprachige Autoren und Verlage ihre Bücher weltweit über Amazons Digital Text Platform anbieten, was wir einfach mal angetestet haben.
Auch wenn die Plattform für Inhalteanbieter noch in Englisch gehalten ist, fällt die Eingabe recht leicht. Bei jedem Titel kann man neben dem Preis auch das Rechtemanagement definieren, das heißt ob per DRM das Kopieren ermöglicht oder ausgeschlossen werden soll. Nach den aktuellen Nutzungsbedingungen der Digital Text Platform erhalten Autoren und Verlage in der ersten von zwei Optionen 35 Prozent vom Listenpreis der verkauften E-Books. Verglichen mit den Gepflogenheiten des stationären Handels, der den Verlagen zwischen 40 und 70 Prozent der Erlöse überlässt, ist das ziemlich wenig. Daneben bietet Amazon allerdings auch eine Option mit bis zu 70 Prozent des Verkaufserlöses. Das klingt erstmal widersprüchlich, relativiert sich aber, wenn man sich die konkreten Bedingungen anschaut, unter denen man diese Option wählen kann:
Zunächst einmal zeigt Amazon deutlich die Absicht E-Books möglichst günstig zu halten, denn die 70-Prozent-Beteiligung gibt es grundsätzlich nur für Werke, die zwischen 2,99 und 9,99 US-Dollar gelistet werden. Zudem müssen die E-Books für den Kindle mindestens 20 Prozent unter dem niedrigsten Preis der gedruckten Variante angeboten werden. Neben den Liefergebühren von 15 Cent pro übertragenem Megabyte dürfte den Verlagen auch die Regelung, dass alle Kindle-Features freigegeben sein müssen, ebenso nicht schmecken.
Deutschen Verlagen bleibt am Ende wohl ohnehin nur die 35-Prozent-Variante, denn vorerst gilt das 70-Prozent-Angebot nur für in den USA verkaufte E-Books. Da in den USA keine Buchpreisbindung besteht, bieten dortige Verlage ihre Bücher jetzt schon teils deutlich günstiger als die gedruckten Versionen an. Inwiefern sich dies in Deutschland durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten. Doch wird es auf Dauer wohl den wenigsten Lesern einleuchten, warum sie für eine elektronische Version gleich viel zahlen sollen wie für das gedruckte Pendant.
Während Inhalteanbietern die Tore zum digitalen Publizieren bei Amazon nun offen stehen, sieht die E-Book-Welt für Nutzer des deutschen Amazonstores noch sehr mau aus. Hier gibt es noch keine eigene E-Book-Produktkategorie. Und nur vereinzelt tauchen beim Stöbern als E-Book gekennzeichnete Bücher auf, die aber gleichzeitig teilweise als „broschürt“ beschrieben werden und versandkostenpflichtig sind. Was denn nun?
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