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    31.05.2010 08:55


    Zum bei Coverport erschienenen Titel “Deutsche Diskurse – Die politische Kultur von 1945 bis heute in publizistischen Kontroversen” gibt es wieder zwei neue Rezensionen:

    1.) Deutschland Archiv, Ausgabe 3/2010:

    zur Rezension …


    1.) Sonja Schmitt (Dr. ZitelmannPB. GmbH):

    Debattiert wird in Deutschland viel und gerne. Aber während die heißen Wortkämpfe der diversen Talkshows bald versendet und vergessen sind, haben Publizisten mit Veröffentlichungen in den deutschen Meinungsführermedien wie FAZ und Spiegel in den vergangenen Jahrzehnten zahllose Debatten ausgefochten, die die Meinungskultur in Deutschland nachhaltig beeinflusst haben.

    20 dieser Debatten beleuchtet Wilfried Scharf in „Deutsche Diskurse – Die politische Kultur von 1945 bis heute“, darunter beispielsweise den Historiker-Streit von 1986, die Golfkriegs-Debatte 1991 und die Kontroverse über die Wehrmachtsausstellung 1995-1999. Dabei sind den einzelnen Diskursen zwischen drei und 26 Seiten gewidmet. In jedem Kapitel folgt auf die sachlich gehaltene Zusammenfassung der Debatte, die ausführlich auf die Argumente der Publizisten eingeht, ein Kurzkommentar des Autors. Auf diese Weise bekommt der Leser einen fundierten Überblick über die beherrschenden Streitschriften aus 60 Jahren Bundesrepublik.

    Dem Buch ist anzumerken, dass der Autor den Anspruch hat, in einem wissenschaftlich vertretbaren Maße journalistisch zu arbeiten. Erfreulich ist die strikte Trennung von Nachricht und Meinung – sämtliche Kommentare sind als solche gekennzeichnet und den Kapiteln hinten angestellt. Problematisch ist dagegen die allzu ausufernde Verwendung von Zitaten. Während diese in Maßen dazu geeignet sind, Texte farbiger und authentischer zu machen, ermüden sie den Leser in der Masse: Bei Scharf besteht eine Buchseite nicht selten zur Hälfte aus Zitaten.

    Elitär mutet an, dass der Autor voraussetzt, jeder Leser würde sämtliche genannten Personen (und es sind derer zahlreich) kennen. Ein Who-is-who im Anhang fehlt leider, wäre aber von weit mehr Nutzwert als das einer Diplomarbeit würdige 30 Seiten lange Literaturverzeichnis. Hier wäre etwas mehr Journalismus – der stets nicht nur Namen, sondern auch Positionen nennt – und etwas weniger Sozialwissenschaft gut gewesen.

    Wer sich daran und dem vereinnahmenden „wir“ nicht stört – wie arrogant von Scharf, zu wissen zu meinen, was „wir kennen“ und „wir (tun) sollten“ – dem bietet das Buch eine interessante und mit nur rund 200 Seiten kompakte Lektüre zum Thema. Und man muss keinesfalls in allen Punkten Scharfs Meinung sein, um seine Kommentare lesenswert zu finden. Denn schließlich, so eines der wichtigsten Fazits des Buchs, ist die Presse- und Meinungsfreiheit Deutschland seit 60 Jahren gut bekommen. Dem können „wir“ nur zustimmen.


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1.) Sonja Schmitt (Dr. ZitelmannPB. GmbH):

Debattiert wird in Deutschland viel und gerne. Aber während die heißen Wortkämpfe der diversen Talkshows bald versendet und vergessen sind, haben Publizisten mit Veröffentlichungen in den deutschen Meinungsführermedien wie FAZ und Spiegel in den vergangenen Jahrzehnten zahllose Debatten ausgefochten, die die Meinungskultur in Deutschland nachhaltig beeinflusst haben.

20 dieser Debatten beleuchtet Wilfried Scharf in „Deutsche Diskurse – Die politische Kultur von 1945 bis heute“, darunter beispielsweise den Historiker-Streit von 1986, die Golfkriegs-Debatte 1991 und die Kontroverse über die Wehrmachtsausstellung 1995-1999. Dabei sind den einzelnen Diskursen zwischen drei und 26 Seiten gewidmet. In jedem Kapitel folgt auf die sachlich gehaltene Zusammenfassung der Debatte, die ausführlich auf die Argumente der Publizisten eingeht, ein Kurzkommentar des Autors. Auf diese Weise bekommt der Leser einen fundierten Überblick über die beherrschenden Streitschriften aus 60 Jahren Bundesrepublik.

Dem Buch ist anzumerken, dass der Autor den Anspruch hat, in einem wissenschaftlich vertretbaren Maße journalistisch zu arbeiten. Erfreulich ist die strikte Trennung von Nachricht und Meinung – sämtliche Kommentare sind als solche gekennzeichnet und den Kapiteln hinten angestellt. Problematisch ist dagegen die allzu ausufernde Verwendung von Zitaten. Während diese in Maßen dazu geeignet sind, Texte farbiger und authentischer zu machen, ermüden sie den Leser in der Masse: Bei Scharf besteht eine Buchseite nicht selten zur Hälfte aus Zitaten.

Elitär mutet an, dass der Autor voraussetzt, jeder Leser würde sämtliche genannten Personen (und es sind derer zahlreich) kennen. Ein Who-is-who im Anhang fehlt leider, wäre aber von weit mehr Nutzwert als das einer Diplomarbeit würdige 30 Seiten lange Literaturverzeichnis. Hier wäre etwas mehr Journalismus – der stets nicht nur Namen, sondern auch Positionen nennt – und etwas weniger Sozialwissenschaft gut gewesen.

Wer sich daran und dem vereinnahmenden „wir“ nicht stört – wie arrogant von Scharf, zu wissen zu meinen, was „wir kennen“ und „wir (tun) sollten“ – dem bietet das Buch eine interessante und mit nur rund 200 Seiten kompakte Lektüre zum Thema. Und man muss keinesfalls in allen Punkten Scharfs Meinung sein, um seine Kommentare lesenswert zu finden. Denn schließlich, so eines der wichtigsten Fazits des Buchs, ist die Presse- und Meinungsfreiheit Deutschland seit 60 Jahren gut bekommen. Dem können „wir“ nur zustimmen.


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